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Παρασκευή 16 Νοεμβρίου 2012

Gerontas Porphyrios


Gerontas Porphyrios
Aus dem Buch: Dionysios Farasiotis, Die Gurus, der junge Mann und Gerontas Paisios
Über die lebenden Schätze unserer orthodoxen Tradition besteht eine große Unkenntnis. Hinzu kommt eine intolerante und arrogante Haltung,  die ihre Herkunft einer systematischen und boshaften Manipulation verdankt und die bezweckt, die orthodoxen Christen mit allem Bösen der Welt „geschmückt“ darzustellen. Als dumm, fanatisch, beschränkt, ungebildet, komplexbeladen, furchtsam, kleinmütig, und andererseits und in krassem Gegensatz dazu als Heuchler, Hinterlistige, Intriganten, Profiteure, Schlauberger, Volksverführer, Lügner, „Wunder“-Macher und schädliche Ausbeuter des einfachen Volkes.
Ein solches Bild ist in eine Welt geraten, die ohne konkreten Kontakt zu der lebendigen orthodoxen Kirche steht, der die lebenden Schätze der Orthodoxie, ihre Altväter, ihre Asketen und ihre Mönche, unbekannt geblieben sind,  und die folglich nicht imstande ist, sich objektives Urteil zu bilden. Die meisten akzeptieren dieses ohne Ausnahme von allen Zeitungen und den Massenmedien verbreitete entstellte Bild, ohne irgendeine Persönlichkeit der Kirche zu kennen, ohne es  überprüfen zu können und bleiben daher  bei diesem falschen Eindruck.
So etwas habe auch ich mitgemacht. Als ich zum ersten Mal in Kontakt mit der orthodoxen Lebensweise kam, bei meinem ersten Besuch auf dem Heiligen Berg, erlebte ich eine… Überraschung. Das Bild in meinem Kopf, die Meinung, die sich hier festgesetzt hatte, und das Leben, das ich in den Klöstern sah und woran ich teilnahm, befanden sich in einem krassen Gegensatz, schwarz-weiß. Es kostete mich wirklich Zeit, bis in mir die Frage auftauchte: „Wieso denn und in welchem Umfang habe  ich eine Meinung über Dinge, die mir unbekannt sind und womit ich mich nicht beschäftigt habe?“
Ich kannte keine Leute der Kirche, wo doch niemand von meinen Bekannten einen Kontakt zur Kirche hatte. Ich habe die Lehren der orthodoxen Kirche weder studiert, noch wusste ich etwas darüber. Trotzdem habe ich sie hartnäckig und unbesehen kurzerhand verurteilt. Ich war sehr ungerecht und dumm. Ich war ein Opfer der Falschinformation geworden, der heimtückischen Propaganda, die schleichend über Jahre hinweg Stück für Stück dieses niederträchtige und verlogene Bild in meinem Kopf aufgebaut hatte. Eines lebendigen  Kontaktes von drei Tagen mit dem Leben auf dem Heiligen Berg hatte es bedurft, um den langjährigen Prozess in Gang zu setzen, der dieses Bild umwälzte, das Zeitungen, Radio und Fernsehen geschaffen hatten. Es hatte der außerordentlichen und freudvollen Erfahrung bedurft, die Altväter der orthodoxen Kirche kennenzulernen, um das Lügennetz,  das meinen Verstand umstrickte und mich die Wirklichkeit nicht sehen ließ, zerreißen zu können.
Man hatte mir Lügenbilder aufgezwungen, ohne dass ich mir dieses Zwanges bewusst geworden wäre. Diese verlogenen Bilder führten mich zu einer Haltung zum Leben, zu einer Lebensart, die nur zur Katastrophe führen konnten, voll  von Angst und Qual.
Ich behaupte ja nicht, dass alle Christen… Heilige sind. Sie wollen es aber werden!! Ich behaupte nicht, dass die Christen keine… Fehler oder Bosheit haben. Sie versuchen aber, das abzulegen!! Und eben das tun die „anderen“, die Feinde der Kirche, nicht. Ich behaupte auch nicht, dass es keine Skandale im Raum der Kirche gibt, und wo gibt es sie nicht? Gibt es sie nicht bei den politischen Parteien, in den Unternehmen? Gibt es sie nicht beim Fußball,  in den Vereinen? Überall wo Menschen sind, gibt es sie und wird es sie geben. Das aber, was ich behaupte, ist, dass die Zeitungen und das Fernsehen nur über das Unschöne der Kirche berichten, was oft genug von ihnen aufbauscht wird und ebenso oft  reine Erfindung ist. Warum diese unfaire Haltung? Warum beharren sie bewusst auf diesem fragmentarischen, also verfälschten Bild?
Es gibt Altväter, die von einem Ende der Welt zum anderen bekannt geworden sind, von Mund zu Mund, ohne dass jemals eine Zeitung sich mit ihnen beschäftigt hätte oder Radio oder Fernsehen sie erwähnt hätten. Es gibt Altväter, um derentwillen Menschen aus Amerika, aus Australien, aus Deutschland, aus allen Teilen der Welt kommen, um sie zu sehen, um mit ihnen zu sprechen, um von ihnen Hilfe zu bekommen. Es gibt Tausende Menschen, die von den Wundern und Wohltaten, die sie persönlich von ihnen empfangen haben, erzählen, und sie berichten die Umstände freimütig in allen Einzelheiten und legen dankbar ihr persönliches Zeugnis ab.
Was ich aber behaupte, ist, dass es solche Altväter, solche Heilige, nirgendwo sonst gibt. Was ich behaupte, ist, dass das Schweigen, dem sich die Mächtigen dieser Welt beim Thema Orthodoxie und ihre Heiligen verschworen haben,  wie Rauch auflöst durch die Macht Gottes. Immer ist es so geschehen. Immer ist die Kirche bekämpft worden, sei es offen, sei es heimtückisch. Immer hat die Kirche am Ende triumphiert. So geschieht es seit 2000 Jahren. So wird es auch in Zukunft geschehen.
Denn so hat der süßeste Gottmensch, Jesus Christus, der einzig wahre Gott,  ihren triumphalen Weg durch die  Jahrhunderte  vorgezeichnet. „…auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“ (Matth. 16, 18).
Es gibt Menschen mit Fehlern in der Gesellschaft, es gibt sie auch in der Kirche. Gute Menschen gibt es in der Kirche,  es gibt sie auch in den politischen Parteien, in den religiösen Organisationen, in den Pseudo-Religionen und Pseudo-Philosophien. Auf der ganzen Welt gibt es gute Menschen, und zum Glück ist es so, denn sie werden Trost und Hilfe für ihre Umwelt.
Aber Heilige gibt es nirgendwo sonst als nur in der Orthodoxie.
Ein solcher Altvater war auch Vater Porphyrios. Ich lernte ihn kennen, als er in der Welt schon sehr bekannt war und sein Name voll Hochachtung von Mund zu Mund ging. Er lebte in seinen letzten Lebensjahren in der Nähe von Malakasa, ungefähr eine Stunde entfernt von Athen. Er baute an dem Ort, wo er lebte, ein Kloster. Jeden Tag kamen Menschen, die ihn sehen wollten, mit dem eigenen Wagen, mit Bussen oder mit  öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Überlandbus machte sogar einen Extra-Halt  „Gerontas“ für die vielen, die  dort täglich aussteigen wollten.
Ich habe viele Menschen kennengelernt und aus ihrem Mund von den  wundertätigen Stärkungen gehört, die sie mit dem Segen des Altvaters erfuhren. Einer, der einen Tumor im Kopf hatte, kam zwei Tage vor  seiner Operation in England zum Gerontas, um seinen Segen zu erhalten. Der Gerontas bekreuzigte ihn und sagte ihm, er solle ein Bittgebet an die Allheilige Maria richten, damit sie den Tumor von ihm nehme. Zwei Tage später staunten die englischen Ärzte und mein Bekannter nicht wenig, als sie, trotz wiederholter Untersuchungen, den Tumor nicht mehr lokalisieren konnten; er war völlig verschwunden!!
Er reiste zurück, ohne die Operation gemacht zu haben, und lebt ganz  normal. Das gab den Anstoß dafür, dass er sich ganz von der hinduistischen Philosophie-Magie löste und ein echter und bewusster Christ wurde.
Ein anderer hatte Brustkrebs, der verschwand, als der Altvater betete und ihn über seiner Brust bekreuzigte. Dieser Mann kündigte seine Arbeit und widmete sein übriges Leben dem Dienste Christi, zumal  er unverheiratet und ohne Verpflichtungen  war.
Eine nahe Freundin brach sich die Halswirbel bei einem Autounfall. Die Röntgenaufnahmen zeigten die zertrümmerten Knochen  und die Ärzte sagten ihr, dass das niemals wieder gut werde. Nach mehreren Monaten, als die Lauferei zu den Krankenhäusern abgenommen hatte, wollte sie den Gerontas aufsuchen, um seinen Segen zu empfangen. Der Gerontas bekreuzigte sie und sagte ihr, sie könne den Halskragen, der ihren Kopf stützte, abnehmen!!! Daraufhin ließ das Mädchen neue Röntgenaufnahmen machen, die zeigten, dass alles in Ordnung war; dies zur größten Verblüffung der Ärzte, die, wie zum Besten gehalten, mal die alten und mal die neuen Aufnahmen betrachteten. Von da an legte sie den Halskragen ab. Es sind nun fünf Jahre vergangen, das Mädchen ist völlig in Ordnung und preist Gott und seine Heiligen.
Einem anderen meiner Freunde gab er genaue  Anweisungen, um in seinem Geburtsdorf, wohin er fahren sollte, an einer Stelle außerhalb des Dorfes etwas Bestimmtes zu suchen. Der Gerontas hatte niemals in seinem Leben seinen Fuß in diese Gegend gesetzt, aber er sprach, als ob er alles haargenau vor sich sähe! Er beschrieb meinem Freund die Felsen, die Bäume, bis er verstanden hatte, wo genau sich das alte Klösterchen befand, das, schon von Erde bedeckt, von allen im Dorf vergessen war.
Wirklich ging mein Freund hin, und alles war so, wie es der Gerontas beschrieben hatte.
Gerontas Porphyrios hatte viele Gnaden von Gott, und sicherlich haben jetzt nach seinem Tod viele, denen er geholfen hat, die empfangenen Wohltaten aufgezeichnet oder werden sie aufzeichnen, zum Ruhme Gottes und Seiner Heiligen.
Voll Hochachtung für das Gedächtnis des Gerontas lege auch ich hier mein persönliches Zeugnis nieder, denn ich bin gepeinigt und empört, wenn die Orthodoxie verleumdet und entstellt wird, und mit ihr die Heiligen und durch sie letztlich die Wahrheit und Gott. Ich fühle die Notwendigkeit, das den wohlmeinenden Menschen zu sagen und um der Wahrheit willen, die manche begraben wollen, weil sie ihnen nicht … passt, da sie ja ihr Leben und ihre Taten in Frage stellt.
Ich war soeben aus Indien zurückgekehrt. Ich war zum Heiligen Berg gefahren, wo ich für etliche Monate als Gast in der Hütte eines Hesychasten wohnte. Dort erfuhr ich, dass Vater Porphyrios, über den ich schon so vieles gehört hatte, auf den Heiligen Berg gekommen war, um eine Weile  in der Skite Kavsokalyvia  zu bleiben. Diese Skite ist eine der besonders abgelegenen auf dem Heiligen Berg. Sie liegt an einem steilen Hang des Athos, mit großen schroffen Felsbrocken und vereinzelt da und dort aus dem Granit herauswachsenden Bäumen. Die Bäume sind hoch und eindrucksvoll. An die dreißig Häuschen, in lockerem Abstand zueinander, umgeben von kleinen Gärten, sind oft alle zusammen vom Steinschlag bedroht. Beständig hört man einige Steine, wie sie hinab rollen. Manchmal richten sie auch ernste Schäden an den Bauwerken an. Ein abschüssiger, schroffer Fußweg endet an der Steilküste, wo das Schiff  schwer anlegt, und auch nur dann, wenn das Meer vollkommen ruhig ist.
Das Leben dort ist hart. Die Menschen leben bescheiden. Man muss auf vieles verzichten. Die notwendigen Transporte werden auf dem Rücken gemacht oder, bei vielen Dingen, mit einem Maulesel. Den Fußweg hinaufzusteigen, ist sehr schwer; folglich sind auch die Mönche dort abgehärtet und genügsam.
Zwei Tage brauchte ich für die Bergtour, bis ich ankam, und zwar mit Blasen an den Füßen. Mein Wunsch, Gerontas Porphyrios zu sehen, war so stark, dass ich im selben Moment, als ich von seiner Anwesenheit hörte, schon entschlossen war, hinzugehen, um ihn zu sehen. Ich begriff, dass er eine Art Gerontas für mich sein würde, und ich wollte die Heiligkeit auch bei einem anderen Menschen sehen, wollte sehen, wie sie wäre: Auf welche Weise  eine andere Person, ein anderer Charakter, denselben Gott in sich trug.
Zu jener Zeit war ich verwöhnt. Weil ich mich in Not befand (ich wurde von den Gurus geistig noch belästigt und mir passierten verschiedene dämonische Zeichen), schenkten mir die Altväter recht häufig verschiedene geistliche Gnaden, um mich zu heilen,  zu unterstützen und mir den Unterschied zwischen den beiden geistigen Zuständen verstehbar und erlebbar zu machen. Ich sollte einsehen, was die Gnade Gottes ist, was die authentische geistliche Wirklichkeit bedeutet, um sie von der dämonischen Energie zu unterscheiden. Damit ich nicht mehr von der trügerischen dämonischen Kraft getäuscht würde, die ich bis dahin als Ausdruck der Kraft höherer Menschen (der Gurus) wahrgenommen hatte  oder gar als göttliche Kraft.
Ich dürstete nach diesen geistlichen Gaben und suchte sie allenthalben. Unbewusst hegte ich die Hoffnung, dass auch Vater Porphyrios  mir etwas schenken würde.
Ich machte mich also auf die Reise. Unterwegs hörte ich immer wieder von verschiedenen Leuten, Mönchen und Laien, dass Vater Porphyrios krank sei und niemanden empfange. Etliche waren hingegangen, um ihn zu sehen und waren nicht empfangen worden. Ich setzte meine Reise fort, betend so viel ich konnte, und irgendwann kam ich an der Zelle an, wo sich der Gerontas befand. Ich rief und es kam ein schwarzhaariger Mönch um die dreißig heraus.
„Das Väterchen kann dich nicht empfangen“, sagte er, „er ist zu krank.“
Fast im selben Moment kam noch ein anderer älterer Mönch heraus und sagte mir betrübt dasselbe.
„Nur um seinen Segen zu empfangen“, sagte ich.
Während die Mönche höflich, aber unerbittlich mir jede Hoffnung nahmen, hörte man von innen Vater Porphyrios rufen, man solle ihm helfen, herauszukommen. Wahrhaftig, nach kurzem erschienen sie, trugen ein Väterchen, das nicht auf seinen eigenen Füssen zu stehen vermochte, und es war ihm anzusehen, dass jede Bewegung, die er machte, ihn heftig schmerzte.
Kaum dass ich das Väterchen sah, bebte meine Seele und mich überschwemmte eine Freude, die überaus groß und friedvoll war. Ich beachtete den Stuhl nicht, den man mir anbot, ich ging hin und setzte mich auf die Erde neben seine Füße. Ich spürte große Freude, bei ihm zu sein, und gleichzeitig fühlte ich mich dessen höchst unwürdig, und so war ich froh, wie ein Hündchen zu seinen Füßen zu sitzen.
Die Mönche mochten mich nicht so erniedrigt sehen und bestanden darauf, mir Achtung zu erweisen und wollten mich auf einen gleichen Stuhl dem Gerontas gegenüber setzen. Ich hätte mich aber sehr unwohl gefühlt, wenn ich die Dreistigkeit besessen hätte, vor dem Gerontas zu sitzen, doch sie ließen nicht locker. Der Gerontas, der mich vollkommen verstand, rettete mich aus der schwierigen Situation.
„Lasst ihn hier, wo es ihm gut geht“, sagte er, und sie hörten mit den gesellschaftlichen Förmlichkeiten  auf.
Ich war so froh, so friedlich, so sicher, als befände ich mich in den Armen Gottes, und ich war es ja tatsächlich durch die Gebete und die Gnade des Väterchens.
Ich spürte, dass der Gerontas mich sehr liebte und mich umarmte, nicht körperlich, sondern geistig. Ich spürte eine riesige geistige Kraft, die in diesem hinfälligen Körper war. Ich spürte ein unerschöpfliches und unendliches Leben, das aus diesem todesnahen Körper flutete und zu mir kam und meine todesnahe Seele wiederbelebte.
Er atmete aus wirklichem Leben und ich war fast tot aus geistlichem Hunger. Er tränkte und nährte mich geistig, und ich empfing mit Dankbarkeit und Freude. Was zwischen uns geschah, verstanden wir beide sehr gut und jedes Wort war überflüssig.
Ein Paradox fand statt: Der dem Tode nahe Greis schenkt dem fünfundzwanzigjährigen jungen Mann Leben, biologisch und geistig. Das Lebensende des Gerontas glich einer Befreiung vom strapazierten Körper und dem Beginn eines wirklichen, wahren, großen und ewigen Lebens, wohingegen ich, der ich doch über beträchtliche biologische Kräfte verfügte, verzweifelt nah dem geistigen Tod war und von seiner Quelle bewässert  wurde und  wieder erstarkte.
Ich erinnere mich, dass wir ein wenig über Indien sprachen. Er sagte mir, dass ich achtgeben muss, damit mich der Teufel nicht noch einmal zum Besten hält. Es war sehr gefährlich, was ich durchlebt hatte. Es waren keine Worte nötig. Ich verstand ihn durch das, was ich in seiner Gegenwart erlebte. Nur wenige Sätze wechselten wir, aber von welcher Tiefe! Ich erinnere mich an ihn, mit der Wollmütze auf dem großen Kopf, mit dem Gesichtsausdruck, der körperlichen Schmerz verriet, mit seinem schwachen, verfallenden Körper, ich erinnere mich, wie er wirkte, mit Ruhe, Herrlichkeit und Schlichtheit regierte.
Seine Gegenwart offenbarte die wirkliche Tiefe dieser Welt und ihre geistigen Ausmaße, zeigte die Vorläufigkeit und Vergänglichkeit der Materie. Er war ein geistiger König.
Es gab hier keine ideologischen Diskussionen oder rationale Analysen, wir versuchten hier nicht, etwas zu entdecken oder zu enträtseln oder zu  folgern. Hier erlebte ich die tatsächliche Anwesenheit der geistigen Welt, hier erlebte ich die geistige Dimension und nahm an ihr teil. Ich sprach nicht von der Gnade des Heiligen Geistes und hörte nicht von der Gnade Christi. Ich lebte sie und war froh.
„Ich werde für dich beten, und komm mich wieder besuchen“, sagte der Gerontas zu mir. Ich empfing seinen Segen froh und traurig zugleich, grüßte und ging.
Ich begann den Pfad bergan zu steigen und meine Freude vermehrte sich. Nicht nur meine Seele, sondern auch mein Körper war wiederbelebt und ich hatte eine solche Kraft bekommen, dass ich den sehr steilen und schwierigen  Pfad fast laufend hinaufging. Ich fühlte ihn nicht neben mir. Er war in mir, oder eher war ich in ihm. Alle Tage danach war meine „Gesellschaft“ der Gerontas und seine „Anwesenheit“ versüßte, verschönte, vertiefte und befriedete mir jeden Moment.
Als ich ihn nach mehreren Tagen wiedersah, fragte er mich: „Ich war in all diesen Tagen bei dir, hast du das verstanden?“
Ganz erstaunt antwortete ich: „Wie sollte ich das nicht verstanden haben, Geronta!“ und meinte damit, dass es einfach ganz unmöglich war, das nicht zu verstehen! So ein intensives Erlebnis! Es wäre einfacher, die Sonne nicht wahrzunehmen als das!!!… Und alles geschah auf eine solch natürliche Weise und lag so weit über der natürlichen Ebene…
Den Gerontas sah ich nach einem Jahr wieder, während ich meinen Militärdienst in Athen absolvierte. Ich fuhr nach Malakasa und besuchte ihn häufig.  Oft spürte ich seine Gnade, noch bevor ich an seinem Kloster ankam. Sein Segen schützte mich und machte mich mild. Damals empfand ich diesen unsäglichen Frieden, wenn er mich bekreuzigte. Auf wunderbare und paradoxe Weise lösten sich alle meine Bedürfnisse, sogar die materiellen, auf ganz einfache Art.
Zum Beispiel gab es eine Verkehrsverbindung zum Kloster hin, aber keine zurück. Jedes Mal war es ein Problem, und ich riskierte,  in der Garnison mit Ausgangssperre bestraft zu werden. Aber immer fand sich ein Auto, das mich nach Athen mitnahm, und oft brachte man mich sogar bis zur Kaserne. Ich vertraute mein Ich dem Segen des Gerontas an, und dieser sorgte für mich. Er war krank und lag fast unbeweglich auf seinem Bett.
Und ich spreche von einer sehr wenig befahrenen Landstraße, insbesondere am Abend zur Stunde, wo ich zurückmusste. Es geschah so vieles mit dem Gerontas, was man nicht leicht beschreiben kann.
Dies und vieles andere, was fast täglich passierte und ich mittlerweile vergessen habe, erzählte ich meinem Beichtvater auf dem Heiligen Berg. Er hörte mir kommentarlos zu. Einmal sagte er zu mir:
„Wo du doch Vater Porphyrios so sehr liebst, warum bittest du ihn eigentlich nicht, dein Bein wieder gesund zu machen?“
Ich hatte ein Problem mit dem rechten Knie. Früher war ich regelmäßig zum Karatetraining gegangen. Ein Tritt aber, den ich einstecken musste, hatte zu einer andauernden Behinderung geführt. Das Gelenk hatte sich gelockert, das Knie war dick geworden und es sammelte sich Flüssigkeit, während ich unterhalb dieser Stelle das Gefühl hatte, als ob ein Steinchen eingedrungen wäre, das mich zwickte und die Beweglichkeit des Knies beeinträchtigte. Mit den Übungen und den Märschen beim Militär hatte sich die Sache verschlimmert. Ich ging zum  Militärkrankenhaus, um untersucht zu werden und bereitete mich auf eine Operation vor. Da ich jetzt nun mal in Athen war, wo es ein gutes Krankenhaus gab, und ich einen Monat Krankenurlaub bekommen würde, war ich entschlossen, die Operation machen zu lassen. Auch die Ärzte waren dafür. Einmal, als ich beim Väterchen war, erinnerte ich mich an die Worte meines Beichtvaters.
„Geronta, mein Beichtvater hat mir gesagt, Sie könnten mein Knie wieder gut machen.“
„E … gut … wenn es der Beichtvater sagt.“
Er hob, während er auf seinem Bett lag, seine kraftlose Hand, machte das Segenszeichen und bekreuzigte mein Knie. Ich empfand eine süße, heitere Kraft, die mein Knie bis ins Knochenmark streichelte und umflutete.  Zweifel und eine unverschämte Neugier bedrängten meinen Verstand. „Gut, und was passiert mit den Zellen der Flüssigkeit …. werden sie verschwinden? Wie wird die Energie Gottes wirken?“ Dieses „wissenschaftliche“ Interesse ließ mich andauernd mein Knie beobachten… Ich ging und mein Verstand war beim Knie.  Dort…  Ich diskutierte und mein Verstand war beim Knie. Ich wollte den Moment „einfangen“, wollte es „erleben“, wenn Gott eingriff. So vergingen drei Tage und mein Knie wurde nicht gut… Ich fing an mir Gedanken zu machen… Ob da wohl was draus wird? … Ich fing an zu zweifeln … Immerzu beobachtete ich das Knie. Nichts … Es tat mir weh … Das störende „Steinchen“ war da. Irgendwann empörte ich mich gegen mich selbst und gegen meine Zweifel und brachte mich auf Vordermann. „Gib‘ s doch auf, du Versager, jetzt willst du auch noch Wunder haben. Ausgerechnet du bist für solche Sachen!“ und ich vergaß es. Ich hörte einfach auf, mich mit meinem Bein zu beschäftigen.
Ich erinnere mich an den Morgen, als ich im Schlafsaal der Kaserne wach wurde. Ich streckte mich auf dem Bett aus. „He, du“, sagte ich zu mir, „dein Bein hat dich seit langem nicht mehr gestört.“ Ich bewegte das Bein und empfand nichts Unangenehmes. Ich stand auf und begann auf der Stelle zu springen. „Normalerweise“ hätte sich mein Bein nach zwei, drei Sprüngen gemeldet. Nichts, keine Störung. Ich ging hinaus auf den Kasernenhof und machte einen Hundertmeterlauf… Nichts, keine Störung…  Freude überflutete mich und Tränen der Dankbarkeit traten mir in die Augen… Also hat Gott mich geheilt, als ich aufhörte zu glauben, dass ich geheilt würde… damit ich verstand, dass es ein „Geschenk Gottes“ war und nicht das Erzeugnis meines eigenen Glaubens, wie es die Yogis sagten! ... Ich begann mein Bein in den folgenden Tagen zu beobachten. Keinerlei Störung. Es vergingen viele Tage. Keine Störung. Ich war geheilt!!! Ohne Operation, ohne Aufsehen… im Verborgenen. Unmerklich… wie die Gnade Gottes wirkt.
Ich hatte nichts Seltsames wahrgenommen, keine Veränderung… doch es war eine Tatsache. Ich war wieder in Ordnung.
Jahre sind seither vergangen und mein Bein hat mich nie wieder gestört. Die geplante Operation hat nie stattgefunden. Ich werde bis an mein Lebensende an meinem Körper das lebende Zeugnis tragen, dass Vater Porphyrios ein begnadeter Gerontas war, ich werde mein Knie streicheln in Momenten der Kleingläubigkeit und mich an die Allmacht und das süßeste Erbarmen Gottes und Seiner Heiligen erinnern.
So wird mir diese körperliche Wohltat zur geistlichen Unterstützung werden und ein ehrwürdiges Andenken von einem zeitgenössischen Heiligen unserer orthodoxen Kirche sein. Ich glaube, dass Vater Porphyrios  sich auch meiner erinnern wird, wenn er beim Herrn für seine geistlichen Kinder bittet. Er war nie mein Beichtvater oder mein Gerontas, wenn er mich auch eine Zeitlang unterstützt hat, wenn er mir auch einmal vorgeschlagen hat, bei ihm zu bleiben. (Ich hatte aber meinen Gerontas auf dem Heiligen Berg und wollte zu ihm gehen).  Aber ich liebte ihn und empfinde  ihn als eine mir sehr teure Person.
Er ist auch mein Vater, der mich nicht „verwirft“, wenn ich ihn um seine Hilfe bitte, auch wenn ich kein „Anrecht“ darauf habe wie seine anderen geistlichen Kinder.
Übersetzung: Marion Alipranti-Conrad, Universität Athen
Heiliges Kloster Pantokratoros

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