Hl. Symeon der Neue Theologe
Über das Werk der Barmherzigkeit
und seinen wahren Sinn [1]
Über das Werk der Barmherzigkeit
und seinen wahren Sinn [1]
Vorrede
1.
Βrüder und Väter, eigentlich dürfte ich nicht wagen, überhaupt zu euch
zu sprechen, noch auch die Position des Lehrers einzunehmen vor eurer
Liebe. Doch wie ihr wißt – das vom Künstler gebaute Musikinstrument
läßt seine Klänge nicht dann ertönen und erfüllt die Ohren aller nicht
dann mit süßen Melodien, wenn es dies will, sondern wenn der Atem[2]
des Künstlers das Rohr füllt oder wenn die Saiten im Wohlklang
angeschlagen werden von seinen Fingern. Dasselbe, so müßt ihr
begreifen, geschieht auch mit mir. Achtet daher nicht auf die
Geringheit des Instruments, damit sie euch nicht abgeneigt mache
gegenüber dem, was im Folgenden gesagt werden wird. Richtet euren Blick
vielmehr auf die Gnade des Heiligen Geistes, die von oben her die
Seelen der Gläubigen inspiriert und erfüllt, und auf den Finger Gottes
Selbst (s. Lk 11,20), der die Saiten des menschlichen Geistes[3]
anschlägt und uns bewegt zum Reden. Wie dem Schall einer königlichen
Trompete, oder um es richtiger zu sagen: dem König aller, Der gleichsam
wie vermittels eines Instruments zu uns spricht, hört zu mit Verstand
und in aller Ruhe.
